Musées de Strasbourg
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Geschichte der Straßburger Museen

 

Eine lange und wechselvolle Geschichte

Eine Nacht im August 1870

Die Straßburger Museen in ihrer heutigen Form sind in großen Teilen das Ergebnis eines tragischen Ereignisses. Denn gewiss hätten sie sich in andere Richtung entwickelt, wenn nicht in der Nacht des 24. August 1870 infolge des Beschusses der belagerten Stadt ein Teil des Aubette-Gebäudes und mit ihm die Straßburger Gemälde- und Skulpturensammlung einem furchtbaren Brand zum Opfer gefallen wäre. In derselben Nacht verbrannten in der alten Dominikanerkirche (heute Temple-Neuf) Bibliotheksbestände von unschätzbarem Wert und unersetzliche stadtgeschichtliche Archive. In einer einzigen Nacht wurden fast alle städtischen Sammlungen zerstört, und viele künstlerische, archäologische und historische Schätze gingen der Stadt auf immer verloren.

Der Wiederaufbau der Sammlung

Diese zweifache Katastrophe erschütterte die Straßburger zutiefst. Doch sie überwanden den Schock schnell, und schon 1872 appellierten der Straßburger Bürgermeister Ernest Lauth und der Verein der Kunstfreunde an Sammler und Künstler, die Stadt beim Wiederaufbau der Gemälde- und Skulpturensammlung zu unterstützen. Die Gesellschaft für Denkmalpflege trug unter der Leitung ihres Vorsitzenden, Chanoine Straub, alles, was aus den Ruinen der Dominikanerkirche gerettet werden konnte, in der ehemaligen Akademie zusammen. Mit den Funden von archäologischen Ausgrabungen, die in der ganzen Region durchgeführt wurden, und zahlreichen neu erworbenen Kunstwerken und historischen Stücken aus allen Epochen wurde die Sammlung Schritt für Schritt wieder aufgebaut.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts: eine an Höhepunkten reiche Zeit

Aufgrund von drei wichtigen Ereignissen kann 1898 als die eigentliche Geburtsstunde des Museums für bildende Kunst gelten: das Freiwerden des Rohan-Schlosses, in dem seit 1872 die nach 1871 neu gegründete deutsche Universität untergebracht war; die Reparationszahlungen in Höhe von 552 700 Mark, die nach vielen Schwierigkeiten und langem Warten endlich an die Stadt geleistet wurden (von den 5 Milliarden Franc, die Frankreich als Entschädigung an das Deutsche Reich zahlen musste); die Betrauung Wilhelm Bodes, des späteren Generaldirektors der Königlichen Museen zu Berlin, mit der Neugründung der städtischen Kunstsammlungen und dem Erwerb der dafür erforderlichen Kunstwerke. Dadurch wuchsen die Bestände in den folgenden Jahren rasch und gewannen gleichzeitig an Qualität.
Schon 1896 war die von der Elsässischen Gesellschaft für Denkmalpflege gerettete archäologische Sammlung im Rohan-Schloss (Place du Château) untergebracht worden. Als Robert Forrer 1909 in der Nachfolge von Professor Henning die Leitung des Archäologischen Museums übernahm, wurde die Sammlung zunächst in der Kardinalsbibliothek und dem Gebäudeflügel der ehemaligen Pferdeställe und deren Nebengebäuden ausgestellt. 1913 begann Forrer, die Exponate in das Untergeschoss des Schlosses zu verlegen.
1908 wurde das zehn Jahre zuvor in den Räumen der Akademie eingerichtete Kupferstichkabinett der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums und des Museums für bildende Kunst angegliedert. Es umfasste damals hauptsächlich Architektur-, Dekorations- und Handwerkszeichnungen.
Allmählich nahmen so die 1870 zerstörten Museen im ehemaligen fürstbischöflichen Schloss wieder Gestalt an. Es wurde zu einem Zentrum des künstlerischen Lebens, und die Straßburger Kulturvereine, darunter der sehr aktive Verein der Kunstfreunde, führten in den Räumlichkeiten des Schlosses bedeutende Ausstellungen durch. Die zu neuem Leben erwachenden Museen hatten hier anscheinend eine ihrer würdige endgültige Bleibe gefunden. Daneben entstanden neue Museen, so das 1887 auf offizielle Initiative gegründete Kunstgewerbemuseum. Unter Leitung von August Schricker und Ernst Polaczek bezog es unter dem Namen „Hohenlohe-Museum“ den ersten Stock der Großen Metzig. Auch die Gründung des Elsässischen Museums fällt in diese Zeit, ist allerdings einer privaten Initiative zu verdanken. Eine 1902 gegründete Kapitalgesellschaft trug in kurzer Zeit umfangreiche Bestände zusammen und erwarb am Quai Saint-Nicolas Nr. 23 ein schönes Renaissance-Haus. Die Einweihung des Museums im Jahr 1907 wurde mit großen Festlichkeiten begangen. Doch sein privatrechtlicher Status sollte dem Museum beinahe zum Verhängnis werden, als es die deutschen Behörden 1917 zunächst beschlagnahmten und schließlich zum Verkauf freigaben. Glücklicherweise erwarb die Stadt das Museum und verhinderte so, dass seine Sammlungen zerstreut wurden.

Die Straßburger Museen in den beiden Weltkriegen und in der Nachkriegszeit

Während des Ersten Weltkriegs ruhten die Aktivitäten der Straßburger Museen. Doch weder die Gebäude noch die Sammlungen wurden in diesen vier Jahren nennenswert in Mitleidenschaft gezogen. 1919 übernahm Hans Haug die Leitung des Museums für bildende Kunst und des Kunstgewerbemuseums. Mit Haug begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Straßburger Museen: Unter seiner Leitung gelangten sie zu internationalem Ruf, und er entwarf erstmals ein Gesamtkonzept für die weitere Entwicklung der Museen. Er verlegte die Kunstgewerbesammlung aus der Großen Metzig in das Rohan-Schloss. Damit war sie fortan im gleichen Gebäude zu sehen wie die Gemäldesammlung des Museums für bildende Kunst und die Werke des Kupferstichkabinetts. Durch diesen Transfer wurde ein Teil der Großen Metzig frei. Gemeinsam mit Adolphe Riff, dem Leiter des Elsässischen Museums, richtete Hans Haug hier 1919 das Museum für Stadtgeschichte ein und bestückte es mit patriotisch motivierten Spenden der wohlhabenden Straßburger Familien. Ziel dieses Museums war es, die Geschichte Straßburgs – damals vor allem die ruhmreiche Militärgeschichte der nun wieder französischen Stadt – darzustellen. Im Zuge dieser Maßnahmen entstand Schritt für Schritt ein kohärentes Ensemble mehrerer Museen, von denen jedes seine eigene Persönlichkeit und Identität besaß. 1931 kam mit dem Musée de l’Oeuvre Notre-Dame ein weiteres Museum hinzu. Es ist der Kunst und der Zivilisation des Mittelalters und der Renaissance gewidmet und in den Räumlichkeiten der Münsterbauhütte untergebracht, die seit dem Mittelalter über den Bau und später die Instandhaltung des nahen Straßburger Münsters wacht.
Damit verfügte Straßburg in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg im Rohan-Schloss, in der Großen Metzig und im Gebäude der Münsterbauhütte über Museen, die einen vollständigen und sehr anschaulichen Überblick über Kunst und Geschichte des Elsass, von den weit zurück liegenden Epochen bis in die Neuzeit, gaben, während das am Ill-Ufer gelegene Elsässische Museum von der reichen und vielfältigen Volkskunst dieser Region zeugte. Zwar blieben die Sammlungen vom Kriegsgeschehen nicht unberührt (Evakuierung und Sicherung außerhalb Straßburgs), doch dank des Geschicks von Kurt Martin, der mit Hans Haug befreundet und in den Jahren der Besetzung des Elsass durch das Dritte Reich (1940-44) Generaldirektor der Oberrheinischen Museen war, litten sie letztlich nur sehr wenig. Bedauerlicherweise wurden sie aber 1944 bei den amerikanischen Luftangriffen genau wie das Münster, das Rohan-Schloss und das Musée de l’Oeuvre Notre-Dame schwer beschädigt. Dessen Restaurierung wurde von der Stadt und dem Amt für Denkmalpflege zügig in Angriff genommen, gleichzeitig wurde es umfassend neu geordnet. Die Arbeiten am Rohan-Schloss konnten dagegen erst 1978 vollständig abgeschlossen werden. In diesen Jahren löste sich das Kupferstichkabinett unter der Federführung von Paul Ahnne allmählich vom Museum für bildende Kunst. In den 1980er-Jahren schließlich wurde es vom Rohan-Schloss in seine neuen Räume am Schlossplatz Nr. 5 verlegt.

Der Museumsverbund der Stadt Straßburg

Das herausragende Ereignis der letzten 20 Jahre ist zweifelsohne die Eröffnung des Museums für moderne und zeitgenössische Kunst. Bereits Mitte der 1960er-Jahre ins Auge gefasst, konnte es schließlich im November 1998 eingeweiht werden. Die Vorläufersammlungen wurden bis dahin im ersten Stock der Ancienne Douane (Altes Zollhaus), dann am Schlossplatz Nr. 5 gezeigt.
Gleich zwei Höhepunkte gab es 2007 mit der Wiedereröffnung des Historischen Museums in der Großen Metzig und der Eröffnung des Internationalen Zentrums für Illustration Tomi Ungerer in der Villa Greiner, in dem Werke aus den verschiedenen Schenkungen des Künstlers an die Stadt Straßburg zu sehen sind.
Heute gehören die 10 Straßburger Museen zu einem Verbund mit einer gemeinsamen Direktion, jüngstes Mitglied ist das Zoologische Museum. Mit ihren reichhaltigen und vielfältigen Sammlungen vermitteln sie einen enzyklopädischen Überblick über das elsässische und oberrheinische Kulturerbe. Die Museumskonzeption entwickelt sich ständig weiter, und um das Werk ihrer Vorgänger fortzuführen und dem Geist dieser Wegbereiter treu zu bleiben, müssen die Leiter dieser Museen deren Sammlungen auch heute ständig ergänzen, weiterentwickeln und neuen Publikumskreisen zugänglich machen.

 

Bibliographie : FAVIERE Jean, « Un siècle d’histoire », Musées en Alsace,
Éditions Publitotal, Strasbourg, 1977, pp. 13-20.